NICHT ALLES WAS GOLD IST, GLÄNZT.

Neubaugasse 33. Eine klingende Adresse für ein Büro, mittlerweile aber die falsche, sollte man auf der Suche nach uns sein. Denn seit März 2019 dürfen wir den Wiener Naschmarkt als unsere neue Wirkungsstätte bezeichnen. Vom Altbau in Neubau zum Neubau in Mariahilf. Wo uns die Stadt zu Füßen liegt und wir mit viel strecken und recken den Himmel mit unseren Fingerspitzen berühren können. Mitten im kulinarischen Paradies des Naschmarkts. Mitten im Herzen des charmanten 6. Wiener Gemeindebezirks. Zwischen Falafel und frischem Sauerkraut fragen wir uns: Gesellschaftlicher Aufstieg oder nur heiße Luft? Die Antwort: Nicht überall, wo Falafel draufsteht, ist Falafel drin und nicht alles was Gold ist, glänzt.

Linke Wienzeile 8. Pünktlich um 9 Uhr versammeln sich die Menschen vor dem Eingang. 10 Minuten später dann auch wir. Wir, die sich durch wildgewordene Touristenmassen vor der Haustür durchkämpfen müssen, um in den Innenhof zu gelangen. Denn, wie der Zufall so will, teilen wir unsere neue Hausnummer mit der Haltestation des HOP ON HOP OFF Busses. Ganz zu schweigen von den tausend Baustellen vor der Tür.

Weniger beschweren können wir uns hingegen über unseren Lift – der vermutlich am besten gewartete Lift Österreichs. Tag für Tag sind hier Experten lautstark im Einsatz. Dafür nehmen wir auch gerne die Stufen in den 6. Stock in Kauf. Oder wie wir dazu sagen: Die berühmt-berüchtigte Extrameile.

Wenn sich dann endlich alle akklimatisiert haben beginnen auch schon die Planungen rund ums Mittagessen. Wer meint, alle guten Dinge sind drei, hat noch nie Essen in unser Büro bestellt. Denn diejenigen von uns, die es schon mal getan haben, wissen, dass es weitaus mehrere Zustellungsversuche braucht, bis das Mittagessen dann tatsächlich auf unseren Tellern landet. Diejenigen von uns, die mutig genug sind, die Reise in die weit unter uns gelegene Außenwelt anzutreten, kehren dann mit einer einstündigen Verspätung auch wieder langsam – meistens von Nam Nam Dabba – zurück. An dieser Stelle: S/O an die Mädels und Jungs von Nam Nam Dabba für das beste Curry der Stadt.

An die neu gewonnene Distanz zwischen Agentur und Filmproduktion müssen wir uns ebenfalls erst gewöhnen: Das Team verteilt sich jetzt über zwei Stockwerke. Dass man bestimmte Kolleg*Innen manchmal wochenlang nicht zu Gesicht bekommt ist zwar traurig und schade aber gar nicht das Problem. Vielmehr die von Mal zu Mal immer unüberwindbarer scheinende Treppe, die uns trennt. Stichwort Extrameile.

Eine Extrameile gehen auch die Patient*Innen des physikalischen Instituts, welches die Räumlichkeiten vor uns bewohnte, wenn sie plötzlich in einer vollausgestatteten Postproduktion stehen und nach ihrem 14 Uhr Termin fragen. Zugegeben, unsere Birkenstocks tragen auch einen wesentlichen Teil dazu bei, dass man uns mit Ärzt*Innen verwechselt. Scheiß Trends.

Der Naschmarkt ist nicht nur für seine Köstlichkeiten bekannt, sondern auch für seine zentrale Lage. Zentrale Lagen, wiederrum, sind nicht nur für ihre gute Anbindung per Öffis bekannt, sondern auch für eine fürchterlich lange Parkplatzsuche. Dass wir von unserem Büro in der Neubaugasse nicht viel dazu gelernt haben, zeigt sich spätestens jetzt – mit unseren Strafzetteln könnten wir die Agentur austapezieren. Zweimal.

Um dann hin und wieder den ganzen Stress und Lärm der Wienzeile zu vergessen, greifen wir gerne mal zu den Controllern und powern uns bei einer gepflegten Partie FIFA so richtig aus. Dass unsere Welt dadurch nicht leiser wird, sondern lauter, besonders wenn man in der 90. noch ein Tor kassiert (ja Hias, fühl dich angesprochen), merken wir sobald unsere Nachbarin bei uns klingelt: „Sie sind eine Firma, also benehmen Sie sich auch dementsprechend!“.

Wenn man dann nach einem langen Tag inklusive After Hour endlich das Büro verlässt, rechnet der/die geschulte OBSCURA-Mitarbeiter*In grundsätzlich noch 30 Minuten für das Schließen aller 85 Fenster und Türen ein, bevor es in den wohlverdienten Feierabend geht.

Während dem Schließen aller Fenster und dem Verfassen dieses Textes, wird eines sehr schnell klar: Wir lieben unseren neuen Standort! Ja, wir müssen täglich einige Stufen überwinden. Und ja, wir bekommen hin und wieder Besuch von verwirrten Physiopatient*Innen. Und ja, das Essen ist sau teuer. Und ja, wir fühlen uns hier trotzdem pudelwohl. Denn nicht alles was Gold ist, glänzt. Aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist.

Schau mal vorbei, wir freuen uns!